Lebewesen zeichnen sich durch Eigenschaften aus, die große Bedeutung für das Geschäftsleben haben, sagt Richard T. Pascale, Co-Autor des Buches* "Surfing the Edge of Chaos: The Laws of Nature and the New Laws of Business" (von Richard Pascale, Mark Milleman, and Linda Gioja):
Alle Lebewesen sind zur Selbstorganisation und zum Hervorbringen von Neuheiten fähig.
Anhaltendes Gleichgewicht führt zum Tod.
Innovationen treten nah an der Grenze zum Chaos auf.
Wenn man an lebenden Organismen herumpfuscht, wird man regelmäßig mit unerwünschten Wirkungen konfrontiert.
Unternehmen und Organisationen müssen laut Pascale wie lebende Organismen betrachtet und behandelt werden. Das Management von Veränderungen sei deshalb schwierig bis unmöglich, wenn die Führungskräfte dem Paradigma des "Social Engineering" anhingen - also glaubten, das Top-Management könne quasi als 'Gehirn' der Organisation ein Veränderungsprogramm vorformulieren, das anschließend in vorhersagbarer und kontrollierbarer Weise durch alle Ebenen der Organisation umgesetzt wird. Das funktioniere spätestens dann nicht mehr, wenn Gesellschaften, Gruppen oder Organisationen sich so verändern müssen, dass die gewohnten Pfade des 'business-as-usual' dafür nicht mehr gangbar seien, konstatiert Pascale. Es habe noch nie funktioniert.
Stattdessen sei ein unkonventioneller Führungstypus gefragt, der Probleme auf den Punkt bringt und für die Lösungen dann die Ideen und Verfahren erschließt, die in der Organisation bereits existieren. Der also die selbstorganisierende Dynamik zu nutzen versteht, die in komplexen Systemen vorhanden ist. Überall gebe es für gewöhnlich Mitarbeiter, die Probleme unorthodox lösen. In diesen Eigenbau-Methoden von Leuten, die Pascale als "positive Abweichler" bezeichnet, steckten oft die Samenkörner für größere Lösungen. Und diese Lösungen, die nicht als 'Top-Down' oder von außen kommend empfunden würden, begegneten oft weniger Widerstand in der Organisation. Von seiten der Führung brauche es allerdings Mut, Vertrauen und echte Innovationsbereitschaft.
Sarah Powell, Redakteurin der englischen Zeitschrift 'Emerald', hat Richard T. Pascale interviewt.
* deutsche Veröffentlichung: 'Chaos ist die Regel. Wie Unternehmen Naturgesetze erfolgreich anwenden.'
|
|