Im vergangenen Jahr starben in Deutschland 1540 Menschen an einer Berufskrankheit durch Asbest. Weltweit sind nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) jährlich bis zu hunderttausend vorzeitige Todesfälle auf Asbest zurückzuführen. Die Europäische Union und die ILO haben eine gemeinsame Initiative für ein weltweites Asbestverbot angekündigt.
Früher war das Mineral Asbest wegen seiner vielseitigen Verarbeitungsmöglichkeiten sehr beliebt, um hitzebeständige und feuerfeste Produkte herzustellen, z. B. Dichtungen, Baustoffe oder sogar Schutzkleidung. Schon in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts zeigten sich jedoch auch die verheerenden gesundheitlichen Folgen: Entzündungen und Vernarbungen des Lungengerüstes, Atemstörungen, Krebserkrankungen der Lunge und des Rippenfells, oft mit tödlichem Ausgang. In Deutschland ist der Gebrauch von Asbest seit 1993 verboten. Ein europaweites Verbot gibt es erst seit 2005.
Wenn Asbestfasern in die Lunge eingedrungen sind, dauert es häufig 20 bis 30 Jahre, bis die Krankheit ausbricht. Den Höhepunkt der Erkrankungswelle erwarten Experten deshalb erst für die Jahre 2010 bis 2015. "Umso wichtiger werden daher Vorsorge und Früherkennung", sagt Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG).
Bei der Demontage alter Industrieanlagen oder bei der Altbausanierung ist Asbest nach wie vor für den Arbeitsschutz relevant. Die Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter mit geeigneten Schutzausrüstungen und vor allem mit Informationen zum sicheren Umgang mit Asbest versorgen.
Obwohl die tödliche Gefahr längst bekannt ist, werden noch immer jährlich mehr als 2 Millionen Tonnen Asbest produziert, so Breuer. "Es ist höchste Zeit, dass wir hier endlich Fortschritte machen. Je länger die Weltgemeinschaft zögert, dem ein Ende zu setzen, desto verheerender werden die menschlichen und wirtschaftlichen Folgen sein." In Deutschland beispielsweise wendet die gesetzliche Unfallversicherung jährlich mehr als 300 Millionen Euro für die Heilbehandlung und Entschädigung von asbestgeschädigten Arbeitnehmern auf. In anderen Industrieländern gehen die Entschädigungssummen mitunter in die Milliarden. Breuer: "Diese Asbestkatastrophe sollte anderen Ländern eine Warnung sein."
Weitere Informationen:
Fachinformationen des BGIA zum Thema Asbest an Arbeitsplätzen (Exposition, Prävention, Berufskrankheiten)
Europäische Asbestkampagne
|