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Politik
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Montag, 3. Oktober 2005


"Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen", sagt - Friedrich Nietzsche zitierend - Manfred Lütz, psychiatrischer Chefarzt in Köln, Psychotherapeut und katholischer Theologe. Damit bezieht er Stellung gegen das Verhältnis unserer heutigen Gesellschaft zur Gesundheit, das er als säkularisierte Form von Religion charakterisiert: Gesundheit werde als 'das höchste Gut' betrachtet, dem alles andere unterzuordnen sei. Kein Wunder, dass sich daran bisher jeder Gesundheitsminister die Zähne ausgebissen habe.

Als Gegenentwurf schlägt er eine Art barock-katholischer Einstellung vor, die einerseits nicht vor lauter Vorbeugung die Lebenslust vergesse, andererseits unvermeidliches Leiden oder Behinderungen bewusst akzeptiere. Heil finde man nicht im Gesundheitskult, sondern in der Religion. 'Lebenslust' heißt auch sein satirisches und unterhaltsames Buch "wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult" - Klaus Berger von der FAZ hat es ausführlich rezensiert.

Sogar mit Sigmund Freud dürfte - bei allen Gegensätzen - der Katholik und Psychotherapeut Lütz in einem Punkt übereinstimmen: 'Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können'.






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